Chile 2016 - Mountain Sports Zillertal
Sommer Start - Berge und wilde Wasser

Skitourenreise Chile 2016

 - AllgemeinVeröffentlicht am 10.05.2017

Skitour am Llaima in Chile

... Vulkansand in den Augen, Schnee unter den Füßen

Seit Jahren träumte ich von einer Reise nach Chile. 2016 habe ich mir diesen Traum gemeinsam mit meiner Frau Eva erfüllt. Unsere Hochzeitsreise führte uns unter anderem zum über 3.000 Meter hohen Vulkan Llaima. Mit dem Zillertaler Bergführer Bernhard Neumann wagten wir es, diesen Berg mit Skiern zu besteigen – trotz aller Schwierigkeiten.

Verdammt, wie lange stapfen wir noch durch dieses schwarze Pulver? Diese Frage schwirrt mir schon eine Stunde durch den Kopf, während ich Bernhard und dem Rest der Gruppe lustlos folge. Wenigstens sinken meine Skischuhe im Vulkansand weniger ein als im Schnee, was das Gehen erleichtert. Andererseits zerrt der Rucksack mitsamt der aufgeschnallten Ski an meinen Schultern, bei jedem weiteren Schritt ein bisschen mehr.

Warum ich hier bin? Ich wollte mal ein Abenteuer abseits bekannter Pfade und Berge erleben. Gemeinsam mit meiner frisch angetrauten Frau – wir haben erst diesen Sommer geheiratet – kam mir die Idee, als Hochzeitsreise nach Chile zu fliegen. Während in Österreich im September der Spätsommer Einzug hält, suchen wir hier im chilenischen Frühling nach schneebedeckten Vulkanen.

Das einzige Problem dabei: Es ist der schneeärmste Winter seit Jahren, wie mir ein einheimischer Bergführer schon vor ein paar Tagen bestätigte. Und das bekommen wir nun zu spüren, hier am Weg zum Llaima, einem der vielen Vulkane in Chile. Alleine die Fahrt hierher war ein Abenteuer – stundenlang rumpelten wir über eine Schotterpiste bis zum Ausgangspunkt. „Hier lagen das letzte Mal, als ich hier war, zwei Meter Schnee“, sagt unser Zillertaler Bergführer Bernhard. Wir schauen aus dem Fenster des Minibusses. Schauen ungläubig wieder zu Bernhard, der seine Ski vor zwei Jahren an exakt dieser Stelle, ebenfalls im September, angeschnallt haben soll. Genau hier, wo sich nun Vulkansand und Steine kilometerweit ausbreiten. Ganz hinten am Ende dieses Hochplateaus erhebt sich ein 3.145 Meter hoher, weißer Kegel. Dort wollen wir heute hinauf – mit Skiern. Unser Busfahrer Julio muss uns für verrückt halten. Jedenfalls weigert er sich, nur einen Meter weiterzufahren, weil das Gelände ab hier zu unwegsam sei, wie er behauptet.

In solchen Momenten kommen schon Zweifel auf, wie sinnvoll es war, hierher zu kommen. Ganz ehrlich. Als Hochzeitsreise. Andere liegen am Strand, irgendwo in Griechenland oder auf den Malediven und lassen sich dort die Sonne auf den Bauch scheinen. Auch hier in Chile gäbe es tolle Strände, wir haben sogar einen besucht. Aber da gibt es diese magnetische Anziehungskraft, welche die Berge auf Eva und mich ausüben, egal wo wir sind. Diese Leidenschaft teilen wir miteinander, und das passt einfach zu uns. Länger als einen Tag am Strand zu liegen, das würde bei uns wohl eine kleinere Ehekrise auslösen.

Ich schaue hinüber zu Eva und sehe, wie sehr auch sie mit ihrem schweren Rucksack kämpft – und mit ihrer Motivation. Ich setze ein gequältes Lächeln auf. Eva lächelt ein bisschen zurück. Wir erreichen das erste Schneefeld und schnallen die Ski an – endlich.

Wir kommen zügig voran, Schweiß rinnt über meine Stirn, die chilenische Frühlingssonne heizt mir ein. Eine Gruppe von Schweizer Skitourengehern quert unseren Weg, sie grüßen und gehen direkt auf den steilen Hang zu, der vor uns hinaufzieht. Bernhard winkt ab und sagt zu uns, dass der direkte Weg nicht immer der schnellste sei. Er empfehle uns den Aufstieg nach rechts zur flacheren Seite des Berges und von dort hinauf zum Gipfel. Keiner widerspricht, schließlich ist er der Bergführer – und der Einzige von uns, der schon mal am Llaima war. Der Schnee weicht bereits auf, ich frage mich, ob wir die Steigeisen tatsächlich brauchen werden.

Eine gute Stunde später weiß ich die Antwort: Ja. Oben ist der Schnee pickelhart. Wir legen die Steigeisen an und schnallen die Ski wieder auf unsere Rucksäcke. Die letzten rund 200 Höhenmeter müssen wir hinaufstapfen. Bernhard geht hinter Eva und ermuntert sie. Ich fühle mich noch verhältnismäßig gut, merke aber, dass sie etwas langsamer wird. Wenn, dann gehen wir gemeinsam rauf oder drehen gemeinsam um, denke ich bei mir.

Meine Steigeisen klirren auf rotem Lavagestein. Dampf steigt vor uns auf. Wir haben es geschafft, sind am Gipfel des zweitaktivsten Vulkans von Chile angelangt. Das letzte Mal ist der Lllaima 2008 ausgebrochen, in Vulkanzeit gemessen also quasi gestern. Vor dem Ausbruch war der Vulkan 3.125 Meter hoch, jetzt sind es 3.145 Meter. Ich schaue mich um. Der Blick reicht hunderte Kilometer weit, ganz anders als in den Alpen. Von hier bis zum nächsten Berg, ebenfalls ein Vulkan, sind es dutzende Kilometer.

Ich sehe weitere Skitourenziele: Den Villarica, Chiles aktivsten und wohl auch deshalb meistbesuchten Vulkan. Den Llonqumay, auf dem wir erst gestern standen. In der Ebene glitzert ein kilometerlanger See aus. Häuser? Zivilisation? Fehlanzeige, hier breitet sich der riesige Conguillo-Nationalpark aus. Schwer vorstellbar, dass auf der anderen Seite dieses Berges ein kleines Skigebiet sein soll.

Chilenische Bergsteiger grüßen uns überschwänglich und schwenken die Nationalflagge. Sie haben in einem Zeltlager am Fuße des Berges übernachtet und sind ebenfalls heute aufgestiegen, allerdings ohne Ski. Sie schauen uns zu, als wir die Ski anschnallen und uns für die Abfahrt bereit machen. Die Schweizer sind weit und breit noch nirgends zu sehen. Ich erinnere mich an Bernhards Worte: „Straightlinen“ – also die direkteste Linie auf den Berg hinaufzusteigen, sei nicht immer die beste Wahl. Weil es einfach zu viel Kraft koste. Er hat Recht behalten. Bernd lotst uns auf die andere Seite des Berges, hier vermutet er den besseren Firnschnee. Ich fahre viel zu schnell los und bin schon nach wenigen Schwüngen in über 3.000 Metern Höhe völlig außer Atem. Weiter unten finde ich einen besseren Rhythmus. Wir fahren einen schier endlosen Vulkanhang hinab, ein Gefühl, das ich nie vergessen werde. Ich denke nicht an den stundenlangen Rückmarsch durch den Vulkansand zum Auto. Nur das Hier und Jetzt zählt. Genau deshalb sind wir hergekommen.

Alle Infos zur Skitourenreise nach Chile findet ihr auf unserer Homepage unter
https://www.mountain-sports-zillertal.com/reisen/skitourenreisen/skitourenreise-nach-chile/

Text & Fotos von Michael Gams, Mai 2017

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